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Amphipoden nutzen Riesenseespinnen in der Tiefsee als Busse

Unterwasserbild einer Krebsart mit leuchtenden Punkten, die auf dem Meeresboden zwischen Muscheln und kleinen Meerestieren kr
In diesem Artikel
  1. Überleben und Verbreitung in der Tiefsee
  2. Riesenseespinnen als Transportmittel für Amphipoden
  3. Mitfahrgelegenheit und Partnersuche

In den unerforschten Weiten tief unter den Meereswellen hat das Leben zahlreiche Wege gefunden, zu gedeihen.

Manchmal bedeutet das, sich so zu entwickeln, dass vulkanische Chemie statt Sonnenlicht verstoffwechselt wird. Manchmal bedeutet es, in ewiger Dunkelheit zu leuchten, um Beute anzulocken.

Und manchmal heisst es, einen ahnungslosen besten Freund zu finden, sich festzuklammern und nicht mehr loszulassen.

Tausende Meter unter der Oberfläche des Südostpazifiks haben Forschende genau eine solche Partnerschaft dokumentiert.

Als sie mit einem ferngesteuerten Tauchfahrzeug den Meeresboden untersuchten, entdeckten sie mehrere Amphipoden (Mesopleustes abyssorum), die sich an den dünnen Beinen riesiger Seespinnen (Colossendeis colossea) festhielten. Diese winzigen Krebstiere sind aus den Tiefenmeeren rund um den Globus bekannt.

Schon das ist ungewöhnlich. Doch das Verhalten wurde innerhalb von vier Tagen gleich zweimal beobachtet, an Orten, die rund 225 Kilometer (140 Meilen) voneinander entfernt lagen. Das spricht dafür, dass es sich nicht bloss um eine zufällige Begegnung handelt und die Amphipoden die Seespinnen womöglich gezielt aufsuchen.

Möglicherweise erhalten sie dabei weit mehr als nur eine Mitfahrgelegenheit: Diese seltsame Verbindung könnte zugleich öffentlichen Verkehr und einen Ort zur Partnersuche bieten – alles in einer praktischen Ansammlung von Gliedmassen.

„Obwohl die Möglichkeit, dass die hier beobachtete Interaktion zufällig ist, nicht ausgeschlossen werden kann“, schreibt ein Team unter Leitung des Meeresbiologen Jorge Pérez-Schultheiss vom Bereich Invertebrate Zoologie des Nationalen Naturkundemuseums in Chile, „deuten ihre offensichtliche Spezifität und ihr wiederholtes Auftreten innerhalb eines relativ begrenzten Suchraums vielmehr auf eine bislang unterschätzte ökologische Strategie hin.“

Überleben und Verbreitung in der Tiefsee

In der Tiefsee ist es alles andere als einfach, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Abgesehen von den Umgebungsbedingungen – Kälte, Dunkelheit und enormem Druck – ist Nahrung oft rar und nur unregelmässig verfügbar; zwischen einzelnen Happen können grosse Distanzen liegen. Auch einen Partner zu finden, kann schwierig sein. Der Ozean ist riesig, Amphipoden hingegen sind winzig.

  • M. abyssorum* stellt dabei ein besonders interessantes Amphipoden-Rätsel dar. Die Art schwimmt nicht besonders gut und besitzt kein planktonisches Larvenstadium, das sie mithilfe der Meeresströmungen weit verbreiten könnte.

Trotzdem kommt sie weit herum: Sie wurde im Pazifik, Atlantik, Indischen Ozean und Südlichen Ozean in Tiefen zwischen etwa 690 und 3.500 Metern (2.264 bis 11.483 Fuss) nachgewiesen.

Für ein Tier, das so schlecht zur eigenen Ausbreitung ausgestattet ist, ergibt das ein erstaunlich grosses Verbreitungsgebiet. Forschende wissen nicht einmal sicher, ob M. abyssorum tatsächlich eine aussergewöhnlich weit verbreitete Art ist oder ob mehrere kryptische Arten sich als eine einzige tarnen.

Falls sie tatsächlich die Weltmeere durchstreift, könnten Pérez-Schultheiss und seine Kolleginnen und Kollegen zumindest eine einfallsreiche Lösung für ihr Transportproblem entdeckt haben.

Wie sich zeigt, eignen sich Seespinnen überraschend gut als Busse.

Riesenseespinnen als Transportmittel für Amphipoden

Riesenseespinnen sind weder echte Spinnen noch Tiere mit besonders gewöhnlichem Aussehen. Pyknogoniden sind marine Gliederfüsser, die für einen beiläufigen Beobachter wie eine unwahrscheinliche Ansammlung von Beinen wirken, an denen kaum ein Körper hängt.

Tatsächlich besitzen sie so viele Beine und so wenig Körper, dass Teile ihrer Organe bis in die schlanken Gliedmassen reichen. Gerade diese Beine sind jedoch ausgesprochen nützlich.

Langbeinige Seespinnen wie Colossendeis verwenden ihre Beine zwar, um über den Meeresboden zu schreiten. Sie können aber auch erstaunlich gut schwimmen: Sie spreizen ihre gewaltigen Beine weit, um Strömungen aufzufangen, die sie über beträchtliche Strecken tragen können.

Man stelle sich also vor, man wäre eine Seespinne und würde in mehreren Tausend Metern Tiefe das beste Leben führen. Eines Tages blickt ein Amphipod herüber und denkt: „Oh, super, mein Uber ist da.“

Genau das haben Pérez-Schultheiss und sein Team im Wesentlichen beobachtet.

Am 24. November 2024 traf das ferngesteuerte Tauchfahrzeug SuBastian des Schmidt Ocean Institute am chilenischen Kontinentalrand in 3.155 Metern Tiefe auf eine Riesenseespinne. An deren Beinen klammerten sich drei Amphipoden der Art M. abyssorum fest: zwei grössere Tiere nahe am Vorderkörper der Seespinne sowie ein kleineres Weibchen weiter hinten an einem ihrer Laufbeine.

Wäre dies die einzige Beobachtung geblieben, hätte man sie leicht als interessante Kuriosität abtun können.

Doch vier Tage später geschah es erneut: Rund 225 Kilometer entfernt und in einer Tiefe von 2.698 Metern fanden die Forschenden zwei Amphipoden, die sich an eine umherwandernde Colossendeis geheftet hatten.

Dabei handelte es sich keineswegs um einen lockeren Halt. Mit einer langen, klauenartigen Struktur am Ende ihrer eigenen Gliedmassen umfassten die Krebstiere die Beine der Seespinnen fest. Ihr Griff war bemerkenswert stark und blieb sogar bestehen, nachdem die Tiere eingesammelt worden waren.

Die Forschenden halten es für möglich, dass die Amphipoden dabei eine gezielte Strategie verfolgen. Im Tierreich gibt es dafür sogar einen Begriff: Phoresie ist eine Form des Mitfahrens, bei der ein Tier ein anderes zur Fortbewegung nutzt.

Mitfahrgelegenheit und Partnersuche

Nach Einschätzung des Forschungsteams könnte M. abyssorum auf diese Weise unauffällig auf Colossendeis mitreisen. Dieser Kniff könnte einem eher mittelmässigen Schwimmer erlauben, sich weit stärker zu verbreiten, als dies aus eigener Kraft möglich wäre.

Falls das zutrifft, könnte diese Art der Fortbewegung bei Amphipoden schon sehr lange direkt vor unseren Augen stattfinden. Eine Verbindung zwischen genau diesen beiden Tieren wurde bereits 1927 beschrieben – allerdings ohne fotografische Belege –, erhielt in der ökologischen Fachliteratur jedoch kaum Aufmerksamkeit.

Nun wurden sie bei der Tat ertappt, und zwar auch noch direkt an ihrem Lebensort.

Doch die Fahrt mit dem Seespinnen-Bus könnte mehr als nur einen Transportvorteil bieten.

Bei beiden Beobachtungen bestand das eng beieinander gefundene Paar grösserer Amphipoden aus einem erwachsenen Männchen und einem Weibchen.

Der dritte Amphipod bei der ersten Begegnung war ebenfalls ein Weibchen – und trug Eier.

Die Forschenden vermuten, dass die Mitfahrt auf Seespinnen weit verstreuten Amphipoden einen praktischen Ort verschaffen könnte, um einander zu finden und sich zu paaren: einen mobilen Treffpunkt in der Weite der Tiefsee.

Natürlich ist die Stichprobe sehr klein. Zwei Begegnungen reichen bei Weitem nicht aus, um die Hypothese als Tatsache zu bestätigen. Ebenso bleibt offen, ob M. abyssorum gezielt nach Colossendeis sucht oder sich schlicht an jede geeignete Struktur klammert, auf die es trifft.

Weitere Erkundungen werden nach Angaben der Forschenden dazu beitragen, diese ungewöhnliche Partnerschaft besser zu verstehen.

„In Ökosystemen, in denen Energiequellen knapp sind und die Umweltbedingungen extrem ausfallen, können selbst subtile biologische Verbindungen eine entscheidende Rolle für das Überleben und die Beschaffung von Ressourcen spielen“, schreiben sie.

Die Ergebnisse wurden in Ecology veröffentlicht.

Dieser Artikel wurde von Rachel Garner auf Fakten geprüft und von Rebecca Dyer redigiert. Wir sind zwar stolz auf unseren Prozess, aber auch wir sind nur Menschen. Falls Ihnen ein Fehler auffällt, lassen Sie es uns bitte wissen.

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist diplomierte Office-Managerin und seit über zwölf Jahren im Assistenz- und Sekretariatswesen tätig. Sie spezialisiert sich auf moderne Büroorganisation, professionelle Kommunikation, Terminmanagement und digitale Arbeitsabläufe. Ihr besonderes Interesse gilt der Weiterentwicklung des Sekretariatsberufs und effizienten Lösungen für den Arbeitsalltag.

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