Im römischen Kastell Magna nahe dem Hadrianswall rechneten Archäologinnen und Archäologen mit gut erhaltenem Leder. Auffällig war jedoch die Grösse: In einem jüngst untersuchten Bestand waren acht Schuhe 30 Zentimeter lang oder länger. Dieser Anteil liegt deutlich über jenem der umfangreichen Sammlung aus Vindolanda, einem weiteren römischen Fundort der Region.
Weshalb blieb das Leder in Magna erhalten?
Magna, auch unter dem Namen Carvoran bekannt, liegt im Norden Englands und verfügt über wassergesättigte, sauerstoffarme Ablagerungen. In solchen Schichten sind Mikroorganismen, die Leder und Holz zersetzen, weniger aktiv. Als das Grabungsteam einen alten Graben des Kastells erreichte, legte es Schuhe frei, bei denen Form, Nähte und Gebrauchsspuren bewahrt geblieben waren.
Das mit dem Vindolanda Trust verbundene Team arbeitet besonders behutsam, da Leder sich nach der Bergung aus einer sauerstofffreien Umgebung rasch verändern kann. Die Fundstücke müssen gereinigt, dokumentiert und konserviert werden. Dank ihres Erhaltungszustands lassen sich nicht nur die Grössen untersuchen, sondern auch Reparaturen, Abnutzung und die Art, wie jeder Schuh am Fuss sass.
Wie viele grosse Schuhe wurden gefunden?
In der ersten 2025 veröffentlichten Serie kamen bei der Ausgrabung 32 Schuhe zusammen; mit dem Fortschreiten der Arbeiten wurde dieser Bestand erweitert. Acht davon waren mindestens 30 Zentimeter lang, während der grösste Schuh rund 32,6 Zentimeter mass. Damit entfiel auf aussergewöhnlich grosse Grössen etwa ein Viertel der ursprünglichen Stichprobe.
Gerade der Vergleich macht den Fund so ungewöhnlich. Im nur wenige Kilometer entfernten Vindolanda wurden über Jahrzehnte Tausende römische Schuhe geborgen, doch nur ein sehr kleiner Anteil der messbaren Exemplare erreicht diese Länge. In Magna scheinen grosse Füsse in einer Konzentration vertreten zu sein, für die es bislang noch keine Erklärung gibt.
- Der zuerst ausgewertete Bestand aus Magna umfasste Dutzende Schuhe, die in einem nassen Graben erhalten geblieben waren.
- Acht Exemplare hatten eine Länge von mindestens 30 Zentimetern.
- Der grösste veröffentlichte Schuh war etwa 32,6 Zentimeter lang.
- In Vindolanda machen Schuhe dieser Grösse nur einen kleinen Teil der messbaren Sammlung aus.
Waren es einfach besonders grosse Männer?
Das ist die naheliegendste, aber nicht die einzige Deutung. Hochgewachsene Soldaten und Arbeiter könnten grössere Schuhe getragen haben. Das Team will deshalb Länge, Form und innere Spuren vergleichen, um die tatsächliche Fussgrösse genauer einschätzen zu können. Ein langer Schuh bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass auch der Fuss entsprechend lang war.
Die Forschenden ziehen ausserdem zusätzlichen Platz für dicke Socken oder eine Winterpolsterung in Betracht. Der Norden des römischen Britannien war kalt, und mehrere Stofflagen konnten grössere Schuhe erforderlich machen. Geschwollene, verletzte oder bandagierte Füsse sind eine weitere Möglichkeit, die während der Konservierung der Sammlung geprüft wird.
Sehen Sie das vom YouTube-Kanal VindolandaTrust veröffentlichte Video mit aktuellen Informationen zu den Entdeckungen im römischen Kastell Magna.
https://www.youtube.com/watch?v=2Kde75jgGes
Was lässt sich mit Vindolanda vergleichen?
Vindolanda besitzt eine der weltweit grössten Sammlungen römischer Schuhe und liegt in der Nähe von Magna. Diese geringe Entfernung liefert eine aussergewöhnlich gute Vergleichsgruppe. Die Schuhe aus Vindolanda belegen Männer, Frauen und Kinder sowie unterschiedliche militärische und häusliche Verwendungszwecke.
Elizabeth Greene, Expertin für römisches Schuhwerk an der Western University, ist an der Untersuchung der Magna-Funde beteiligt. Dabei sollen nicht bloss Sohlen vermessen werden: Gesucht wird auch nach Druck- und Abnutzungsspuren, die erkennen lassen, wo der Fuss tatsächlich endete. Dieses Merkmal könnte einen Schuh eines sehr grossen Mannes von einem locker sitzenden, stark isolierten Stiefel unterscheiden.
Wann könnte das Rätsel der Riesenschuhe gelöst werden?
Das Team muss die Konservierung und Katalogisierung noch abschliessen und die Stücke mit anderen Fundzusammenhängen im Kastell vergleichen. Keramik und archäologische Schichten helfen dabei, den Zeitpunkt zu bestimmen, zu dem die Schuhe entsorgt wurden; die Abnutzung kann wiederum Aufschluss über ihre Nutzung geben. Weitere Grabungen könnten auch das derzeitige Grössenverhältnis verändern.
Vorerst wirft Magna eher eine bessere Frage auf, als dass es eine Antwort liefert. Warum kamen in einem einzigen Kastell so viele riesige Schuhe zusammen? Die Erklärung könnte in der Körpergrösse seiner Bewohnerinnen und Bewohner, im Klima, in Verletzungen oder in einer Kombination dieser Faktoren liegen. Jede erhaltene Sohle bringt die Archäologie dem Alltag jener Menschen näher, die dort vor beinahe zweitausend Jahren lebten.






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