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Roberto: Nach Krebs lebt er auf einem Boot um 85.000 Euro

Mann steht barfuß auf Segelboot, hält Tau, mit Uniformjacke, Kapitänsmütze und Tablet auf Deck bei Sonnenuntergang.
In diesem Artikel
  1. Krebs hat seinen Blick auf die Zeit verändert
  2. Freiheit auf dem Boot braucht ebenso Organisation
  3. Eine weniger bequeme, aber erfülltere Pension

Im Morgengrauen steht Roberto auf dem Deck seines Bootes, das in einem kleinen Hafen liegt, bereitet Kaffee zu und beobachtet, wie das Wasser sanft gegen den Rumpf schwappt. Noch vor einigen Jahren begannen seine Tage im Stau: mit einer Armbanduhr am Handgelenk und Akten, die auf seinem Schreibtisch warteten. Dann kam die Diagnose: Krebs, Arzttermine und eine Angst, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Roberto tat nicht so, als hätte sich nichts verändert. Er kündigte seinen Job, verkaufte einen Teil seines Besitzes und kaufte ein Boot um 85.000 Euro, auf dem er fortan wohnen wollte. Vielleicht eine radikale Entscheidung, aber keineswegs zwingend eine unüberlegte. Heute sagt er, er würde dieses Leben gegen nichts eintauschen.

Krebs hat seinen Blick auf die Zeit verändert

Roberto zufolge entstand dieser Entschluss nicht aus dem Wunsch nach einem endlosen Urlaub, sondern aus einer sehr einfachen Frage: Weshalb das eigene Leben auf später verschieben? Nach der Diagnose dachte er noch einige Tage lang an seine Arbeit, seine Kolleginnen und Kollegen, Fristen und die Pension, die ihm weiterhin weit entfernt erschien. Doch bald kam ihm dieser ganze Ablauf nahezu fremd vor. Viele kennen diesen Augenblick, in dem eine schlechte Nachricht die Prioritäten plötzlich auf unerwartete Weise neu ordnet.

Für 85.000 Euro kaufte er sein Boot – ein Betrag, der hoch wirken kann, den er jedoch mit den Wohnkosten in manchen Städten oder jahrelangen Kreditraten vergleicht. Die Kajüte ist nicht besonders gross, der Sanitärbereich eng, und jeder Gegenstand muss einen Zweck erfüllen. Roberto hat einige Bücher, schlichte Kleidung, Fotos und ein kleines Radio mitgenommen. Alles andere, sagt er, habe ihn nicht begleiten müssen.

Das Leben auf dem Wasser hat weder seine Krankheit noch die Sorgen rund um medizinische Untersuchungen verschwinden lassen. Roberto beschreibt seine Entscheidung nicht als Wunderlösung und erst recht nicht als heldenhafte Flucht. Vielmehr wollte er ein Stück Kontrolle über seinen Alltag zurückgewinnen: den Blick auf den Hafen beim Aufwachen, die Wahl seines eigenen Tempos und das Gefühl, dass jeder Tag tatsächlich ihm gehört. Diese Art von Freiheit lässt sich auf einem Kontoauszug nur schwer beziffern.

Freiheit auf dem Boot braucht ebenso Organisation

Wer vom Leben an Bord träumt, stellt sich oft Sonnenuntergänge, Zwischenstopps und das beruhigende Geräusch der Wellen vor. Roberto rät jedoch, vor jeder Unterschrift mit einem weniger romantischen Schritt zu beginnen: einem genauen Budget, Posten für Posten. Liegeplatz im Hafen, Versicherung, Motorwartung, Treibstoff, Wasser, Strom und unvorhergesehene Reparaturen können rasch ins Geld gehen. Ein Boot ist kein kleines schwimmendes Haus ohne Verpflichtungen, sondern ein lebendiger Wohnraum, der regelmässige Aufmerksamkeit verlangt.

Ein häufiger Fehler ist der Kauf eines zu grossen, zu alten oder schlecht gewarteten Bootes aus einem spontanen Gefühl heraus. Roberto besichtigte mehrere Boote, bevor er seines fand, und liess sich begleiten, um Rumpf, Motor und Sicherheitsausrüstung prüfen zu lassen. Seien wir ehrlich: Das macht kaum jemand täglich, besonders wenn man gedanklich schon die Leinen loswirft. Dennoch kann eine gründliche Kontrolle vor dem Kauf verhindern, dass aus dem Traum eine endlose Rechnung wird.

Seine Regel ist klar: Einfachheit darf nicht mit Improvisation verwechselt werden.

„Ich habe weniger Dinge als früher, aber ich muss mich besser um das kümmern, was ich habe. Das Boot hat mich Folgendes gelehrt: Ein Leck, eine schwache Batterie oder angekündigtes Schlechtwetter kann man nicht einfach ignorieren.“

Damit dieses Leben angenehm bleibt, orientiert sich Roberto an einigen konkreten Grundsätzen:

  • eine finanzielle Reserve für dringende Reparaturen einplanen;
  • einen Hafen nahe medizinischer Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten wählen;
  • die Sicherheitsmassnahmen vor den ersten Fahrten erlernen;
  • auch vom Liegeplatz aus regelmässig mit nahestehenden Menschen in Kontakt bleiben.

Diese Disziplin nimmt der Freiheit nichts – sie schafft vielmehr eine stabile Grundlage dafür.

Eine weniger bequeme, aber erfülltere Pension

Robertos Geschichte berührt, weil es darin nicht bloss um ein Boot, eine Krankheit oder die Pension geht. Sie handelt von jenem Schwindelgefühl, das viele verspüren, wenn Zeit nicht länger eine abstrakte Vorstellung ist. Sein heutiger Alltag ist nicht perfekt: An manchen Morgen ist da Feuchtigkeit, dazu die Nachbarn am Steg, Behördengänge und Tage, an denen sein Körper ihn schmerzhaft an seine Verletzlichkeit erinnert. Gleichzeitig gibt es den Kaffee im Freien, das Licht auf dem Wasser und das Gefühl, keiner künftigen Version seiner selbst mehr hinterherlaufen zu müssen.

Wesentlicher Punkt Detail Mehrwert für Leserinnen und Leser
Eine durch eine schwere Prüfung ausgelöste Lebensentscheidung Nach seiner Diagnose beschloss Roberto, nicht weiterzuarbeiten und sein Leben nach dem auszurichten, was ihm wirklich wertvoll erschien. Die Geschichte zeigt, dass tiefgreifende Veränderung mit einer persönlichen Frage beginnen kann: Was zählt heute wirklich?
Ein Boot um 85.000 Euro Dieser Betrag deckt den Kauf des Bootes ab, doch das Leben an Bord erfordert auch ein Budget für Hafen, Versicherung, Wartung und technische Zwischenfälle. Leserinnen und Leser können zwischen der Vorstellung eines nomadischen Lebens und der finanziellen wie praktischen Realität eines schwimmenden Zuhauses unterscheiden.
Freiheit setzt Vorbereitung voraus Notbudget, technische Besichtigung, Sicherheit und die Nähe zu medizinischen Einrichtungen gehören zu den Entscheidungen, die diesen Lebensstil dauerhaft tragfähig machen. Der Wunsch nach einem anderen Leben wird gelassener, wenn er auf konkreten, realistischen und zur eigenen Situation passenden Entscheidungen beruht.

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist diplomierte Office-Managerin und seit über zwölf Jahren im Assistenz- und Sekretariatswesen tätig. Sie spezialisiert sich auf moderne Büroorganisation, professionelle Kommunikation, Terminmanagement und digitale Arbeitsabläufe. Ihr besonderes Interesse gilt der Weiterentwicklung des Sekretariatsberufs und effizienten Lösungen für den Arbeitsalltag.

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