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Norwegen will trotz EU-Konflikt massiv in der Barentssee bohren

Frau in oranger Schutzkleidung hält Karte auf vereistem Meer vor Offshore-Plattform und Schiff bei Sonnenuntergang.
In diesem Artikel
  1. Norwegen als „grüne Batterie“ Europas
  2. Norwegen will in der Barentssee ungeachtet aller Folgen bohren
  3. Umweltfolgen von Bohrungen in arktischen Gewässern

Entschlossen, seine Ausfuhren von Kohlenwasserstoffen zu sichern, bereitet Norwegen umfangreiche Bohrungen in der Barentssee vor – selbst wenn dies einen Konflikt mit der Europäischen Union bedeutet. Der Umweltschutz scheint dabei offenkundig keine vorrangige Rolle zu spielen.

Seit Jahren betrachtet die Europäische Union (EU) Norwegen als Quelle sauberer Energie. Ausschlaggebend ist unter anderem das weitreichende Netz an Wasserkraftwerken: Das skandinavische Land gilt als „grüne Batterie“ Europas und könnte Schwankungen bei den europäischen erneuerbaren Energien durch riesige Unterseekabel nach Deutschland oder ins Vereinigte Königreich ausgleichen.

Norwegen als „grüne Batterie“ Europas

Dieses Bild gehört nun der Vergangenheit an. In einem Gespräch mit Reuters bezeichnete Norwegens Energieminister Terje Aasland diese Vorstellung als „falsch“. Denn eine enge Verflechtung mit dem europäischen Markt führt dazu, dass norwegische Haushalte und Unternehmen Preissteigerungen unmittelbar zu spüren bekommen.

Oslo zieht daher die Notbremse und wird keine weiteren Verbindungsleitungen errichten. Während zahlreiche Mitgliedstaaten ihre Atom- oder Kohlekraftwerke stillgelegt haben, ohne die Folgen ausreichend einzuplanen, will Norwegen nicht länger als Ausgleichsreserve dienen. Das Land fordert die EU damit auf, die Stabilität ihres eigenen Stromnetzes zu verbessern.

Norwegen will in der Barentssee ungeachtet aller Folgen bohren

Die Abgrenzung beschränkt sich jedoch nicht auf den Strommarkt, sondern zeigt sich ebenso deutlich bei den Kohlenwasserstoffen. Die EU hatte bislang ein Moratorium gefordert, das jede neue Öl- und Gasförderung in der Arktis zum Schutz dieses empfindlichen Ökosystems untersagen sollte. Norwegen gibt dem nicht nach: Die Bohrungen in der Barentssee sollen unabhängig von allen Umständen fortgesetzt werden, um die Anforderungen der Energiesicherheit zu erfüllen.

Norwegen ist mit knapp 30 % der Lieferungen an die EU und das Vereinigte Königreich Europas wichtigster Gasversorger. Der Staat hat nicht nur kürzlich die Wiederinbetriebnahme von drei seit 1998 stillgelegten Gasfeldern genehmigt, sondern auch 70 neue Explorationsblöcke freigegeben, überwiegend in der Barentssee.

Sollte die EU diese Rohstoffe nicht kaufen wollen, sollen sie auf andere Kontinente geliefert werden. Die Regierung betont, dass ihre arktischen Gebiete eisfrei seien und das Risiko einer Ölpest daher jenem in der Nordsee entspreche. Zudem verweist sie auf die nationale Souveränität sowie auf den Erhalt von Arbeitsplätzen in diesen strategisch besonders wichtigen Regionen an der Grenze zu Russland.

Umweltfolgen von Bohrungen in arktischen Gewässern

Offshore-Bohrungen verursachen Lärm unter Wasser. Seismische Untersuchungen mit akustischen Detonationen beeinträchtigen die Orientierung, Kommunikation und Fortpflanzungszyklen von Meeressäugern erheblich und vertreiben Fischbestände. Überdies gelangen durch die fortlaufende Einleitung von belastetem Produktionswasser Schwermetalle und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in das Ökosystem, wo sie sich entlang der marinen Nahrungskette anreichern.

In den kalten Gewässern der Arktis wird Erdöl durch Mikroorganismen nur äusserst langsam auf natürliche Weise abgebaut, was im Fall einer Ölpest schlimmste Folgen befürchten lässt. Heftige Stürme, die Dunkelheit im Winter und die grosse Distanz zu Rettungsinfrastrukturen machen es mit den heutigen Technologien nahezu unmöglich, ein Leck einzudämmen.

Nach Berichten des IPCC und von Umweltorganisationen wie dem WWF beschleunigt eine Ausweitung der Kohlenwasserstoffförderung in diesen fragilen Ökosystemen zudem den Verlust der biologischen Vielfalt und steht den Vorgaben zur Begrenzung der globalen Erwärmung unmittelbar entgegen.

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist diplomierte Office-Managerin und seit über zwölf Jahren im Assistenz- und Sekretariatswesen tätig. Sie spezialisiert sich auf moderne Büroorganisation, professionelle Kommunikation, Terminmanagement und digitale Arbeitsabläufe. Ihr besonderes Interesse gilt der Weiterentwicklung des Sekretariatsberufs und effizienten Lösungen für den Arbeitsalltag.

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